Berg-Apotheke
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unsere Publikation von Dr. Lenherr

Medikamente während der Schwangerschaft

Mit Medikamenten ist während der Schwangerschaft Vorsicht geboten. Viele Leserinnen und Leser erinnern sich sicher an den bisher grössten Skandal in der Entwicklung von Arzneimitteln, die sog. „Contergan - Affäre“. Das äusserst beliebte Schlafmittel musste im November 1961 durch die Firma Grünenthal Hals über Kopf vom Markt genommen werden, weil nachgewiesen worden war, dass dieses bei über 20’000 neugeborenen Kindern für schwerste Missbildungen der Gliedmassen verantwortlich war. Neben dieser sog. teratogenen (d.h. das ungeborene Kind schädigenden) Wirkung können gewisse Medikamente (und auch Heilpflanzen) ausserdem Frühgeburten auslösen und andere negative Einflüsse auf den Verlauf der Schwangerschaft haben. Es empfiehlt sich deshalb, in der Schwangerschaft möglichst auf den Einsatz von Medikamenten zu verzichten. Es gibt viele Naturheilmittel, welche sich zur Linderung von Beschwerden in der Schwangerschaft bewährt haben.

Ingwertee gegen Übelkeit



Ingwer ist nicht nur ein beliebtes Gewürz, sondern auch ein vielseitiges Heilmittel. Er hilft nicht nur bei Verdauungsbeschwerden, sondern wirkt auch Schleim lösend bei Husten und Erkältung und schützt vor Übelkeit auf Reisen und während der Schwangerschaft. Der Ingwer (lateinisch: Zingiber officinalis) wird in die eigene Pflanzenfamilie der Ingwergewächse mit mehr als 1500 verschiedenen Arten eingeteilt. Die Pflanzenfamilie gehört (wie die Liliengewächse, Orchideen, Palmen und alle Gräser) zu den einkeimblättrigen Pflanzen. Alle Arten gedeihen nur in tropischem d.h. feucht - heissem Klima  und haben wunderschöne  orchideen ähnliche Blüten. Insgesamt werden mehr als 50 Ingwerarten unterschieden. Andere bekannte Vertreter der Ingwergewächse sind die Gelbwurz (Curcuma), der Galgant, die Kardamome und die Zittwerwurzel. Charakteristisch für die Ingwergewächse ist, dass sie neben ätherischem Öl in speziellen Exkretzellen auch nicht flüchtige Verbindungen wie Harze, Farbstoffe und Scharfstoffe enthalten. Dadurch wird der einmalige Geschmack von wunderbar duftend über wärmend heiss zu scharf erreicht. Ingwer sollte während der Schwangerschaft nur in kleinen Dosen genossen werden. Die Scharfstoffe regen die Durchblutung im Unterleib an und können auch eine anregende Wirkung auf die Gebärmutter haben. Bei Überdosierung  besteht deshalb die Gefahr, dass vorzeitig Wehen ausgelöst werden können. Zur Teezubereitung werden  ½ -  1 Teelöffel getrocknete Ingwerwurzeln mit siedend heissem Wasser übergossen und 5 Minuten ziehen gelassen – dann absieben. Pro Tag können 2 - 3 Tassen Tee schluck - weise über  den Tag verteilt getrunken werden. Wer das Aroma des Ingwers nicht mag, kann den Geschmack durch Zugabe von Zitronengras verbessern oder die Schärfe durch Beimischen von getrockneten Apfelschalen etwas mildern. Frauen, die leicht mit vorzeitigen Wehen reagieren, sollten anstelle von Ingwer besser Fenchel - oder Himbeerblättertee   trinken. Diese sind weniger stark durchblutungsanregend und zeigen oft auch eine gute Wirkung gegen Übelkeit.

Himbeerblätter zur Stärkung der Gebärmutter

Die Himbeere (lateinisch: Rubus idaeus) gehört zur gleichen Gattung wie die Brombeere (lateinisch: Rubus fruticosus). Beides sind Mitglieder aus der Pflanzenfamilie der Rosengewächse. Die Gattung ist weltweit verbreitet und umfasst nur schon in Europa mehr als 700 Arten mit über 2000 verschiedenen Varietäten. Die Pflanzen sind ausdauernd und bilden oft lange, unterirdische Triebe. Die oberirdischen Teile  ind meist  2-jährig und bilden erst im 2. Sommer Blüten. Was wir im Volksmund als Beere bezeichnen, ist wissenschaftlich betrachtet eine Sammelfrucht, bestehend aus zahlreichen einzelnen Früchtchen, welche durch den Blütenboden zusammengehalten werden. Während sich bei der Himbeere die Früchtchen einzeln Frische Ingwerwurzel und kandierter Ingwer vom Blütenboden ablösen, wenn sie überreif sind, fällt bei der Brombeere die ganze Beere als kompakter Fruchtstand zu Boden.

Himbeerblätter (Rubus idaeus)

Himbeerblätter sind in der Volksmedizin das von Frauen während der Schwangerschaft am häufigsten verwendete (natürliche) Mittel. Der Tee wird  bereits vor  der  Empfängnis zur Steigerung der Fruchtbarkeit eingesetzt und soll sowohl bei Frauen und Männern nützlich sein. Während der Schwangerschaft kann er  helfen, die morgendliche Übelkeit zu lindern und durch Kräftigung des Gebärmuttermuskels Fehlgeburten zu verhindern. Bei der Geburt wirken Himbeerblätter blutstillend  und  fördern  anschliessend die  Milchbildung. Der blutstillende Effekt ist auf Grund der in den Himbeerblättern enthaltenen Gerbstoffe gut nachvollziehbar; für die anderen Wirkungen gibt es (noch) keine plausible wissenschaftliche Erklärung. Der Himbeerblättertee hat einen angenehmen, fruchtigen Geschmack. Pro Tasse werden 2 Teelöffel voll getrocknete Blätter mit siedend heissem Wasser übergossen, ca. 10 Minuten ziehen gelassen und dann abfiltriert. Der Tee kann  beliebig  häufig  getrunken werden (bis zu 1 Liter  pro Tag). Wenn keine Möglichkeit besteht, sich den Tee zuzubereiten, kann auch das Himbeerknospenmatzerat als Spray verwendet werden. Dieser glycerinhaltige Auszug  aus den Himbeerknospen ist sehr praktisch für unterwegs oder im Büro und kann bis zu stündlich in den Hals gesprayt werden.

Schneeballbaumrinde bei vorzeitigen Wehen

Die Rinde des Schneeballbaumes ist ein sehr beliebtes und wichtiges Heilmittel der Frauenheilkunde. Die spasmolytischen (entkrampfenden) und schmerzlindernden Eigenschaften auf die Gebärmuttermuskulatur sind in verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen worden. Die Wirkung kann dabei nicht einer einzelnen Substanz zu geordnet  werden, sondern ist auf das ganze Spektrum an Inhaltstoffen zurückzuführen. Dieses ist sehr vielfältig: neben Triterpenen, Flavonoiden, Cumarinen und Gerbstoffen kommen in der Schnee - ballrinde auch Salicylsäurederivate (natürliche Vorstufen des  Aspirins) sowie iridoidartige Verbindungen vor. Jede dieser Substanzgruppen trägt ihren eigenen Teil zur Wirkung der Schneeballrinde mit. Verwendet wird hauptsächlich die Rinde des amerikanischen Schneeballs (lateinisch: Viburnum prunifolium). Dieser bis 4 m hohe Strauch stammt ursprünglich aus Nordamerika und wird in unseren Gärten gerne als Zierstrauch angepflanzt. Auch die Rinde des gewöhnlichen Schneeballs (Viborunum opulus) kann verwendet werden,  die  Wirkung dieser in der Schweiz einheimischen Art ist jedoch schwächer als die des amerikanischen Vertreters. Beide Arten gehören (wie der Holunder) zur Pflanzenfamilie der Geissblattgewächse und bilden ähnlich wie der Holunder weissblühende Scheindolden mit zahlreichen feinen Blüten.

Schneeball (Viburum opulus)
Zur Teezubereitung werden pro Tasse 1 Teelöffel getrocknete Rinde mit siedend heissem Wasser übergossen, 10 Minuten ziehen  gelassen und dann abgesiebt. Es können täglich 2 - 3 Tassen Tee getrunken werden. Häufig verwendet wird auch die homöopathische Urtinktur. Davon können mehrmals täglich 10 - 15 Tropfen in etwas Wasser eingenommen werden.

Tipps für eine angenehme Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, sondern ein ganz natürliches und erfreuliches Erlebnis im Leben einer jeden Frau  (und  Mannes). Sie können allen alltäglichen Dingen weiterhin normal nachgehen und sollten dabei einfach etwas Mass halten und Rücksicht nehmen auf das ungeborene Kind. Insbesondere folgende  Punkte sind zu beachten:
  • Nicht für 2 essen: Auch wenn Sie jetzt zu zweit sind, für 2 essen dürfen Sie trotzdem nicht. In den ersten 3 Monaten ist der  Kalorienbedarf überhaupt nicht erhöht und Sie sollten auch noch nicht an Gewicht zulegen. Erst ab dem 4. Monat sind täglich etwa 300 kcal zusätzlich nötig.
  • genügend  trinken: 2 Liter sollten es täglich sein. Mineralwasser, Früchte- und Kräutertee eignen sich am besten. Auch  Obst- und Gemüsesäfte sind gut, haben zum Teil aber viele Kalorien. Mit Kaffe und Schwarztee sollten Sie wegen der  anregenden Wirkung dagegen eher sparsam umgehen. Genügend z u trinken ist der beste Schutz vor Verstopfung während der Schwangerschaft und auch Harnwegsinfektionen lassen sich damit vorbeugen.
  • kein Alkohol und keine Zigaretten 
  • Vorsicht bei der Verwendung von Medikamenten: vor der Anwendung immer zuerst Ihren Arzt oder Apotheker fragen.
  • Vorsicht bei Leber: Leber ist sehr reich an Vitamin A. Dieses wirkt sich vor  allem am Anfang der Schwangerschaft  negativ  auf  die Entwicklung des Kindes aus. Daher in den ersten 3 Monaten lieber ganz auf Leber verzichten, danach sind etwa 100 bis 150 g pro Monat erlaubt.
  • Das Essen nur mässig würzen: Scharfe und stark bittere Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Meerrettich, Wermut, Estragon, Safran etc. sind nur  sparsam anzuwenden, da sie die Durchblutung des Unterleibes fördern und dadurch eine Frühgeburt   auslösen können.  Ebenso sind  Pflanzen mit  starken ätherischen Ölen behutsam einzusetzen, u.a. Muskatnuss, Macis, Basilikum, Dill, Origano, Thymian, Wacholder und Zimt.
  • Mässige aber regelmässige körperliche Betätigung ist zu empfehlen. Starke Belastungen und spontane, unkontrollierte  Bewegungen sind zu vermeiden.
  • Regelmässige Erholungsphasen einschalten und genügend Schlafen.